N.I.N.A. für Einsteiger: So automatisierst du deine Astrofotografie Schritt für Schritt
Eine klare Nacht ist viel zu kostbar, um einen großen Teil davon mit Suchen, Ausrichten und immer wieder denselben Einstellungen zu verbringen. Genau hier setzt N.I.N.A. an. Die kostenlose Software kann viele Aufgaben einer Astrofotografie-Nacht übernehmen – und das nicht nur bei großen Teleskopanlagen. Auch mit einer Kamera, einem Teleobjektiv und einer kleinen Montierung lässt sich der Aufnahmeablauf deutlich besser planen und teilweise automatisieren. In meiner neuen YouTube-Serie zeige ich den Einstieg verständlich und praxisnah. Eine wichtige Voraussetzung vorweg: N.I.N.A. läuft auf einem Windows-PC oder -Laptop. Benötigt wird Windows 10 in der 64-Bit-Version oder neuer.

Was ist N.I.N.A.?
N.I.N.A. steht für „Nighttime Imaging ’N’ Astronomy“. Dahinter verbirgt sich eine kostenlose Software, mit der sich die verschiedenen Komponenten eines Astrofotografie-Setups gemeinsam steuern lassen.
Dabei ist N.I.N.A. keine Bildbearbeitungssoftware. Das Programm entwickelt oder stackt die aufgenommenen Fotos nicht. Seine Aufgabe beginnt schon vorher: N.I.N.A. unterstützt bei der Planung und Durchführung der Aufnahmen.
Je nach Ausrüstung kann die Software unter anderem:
die Kamera steuern,
Aufnahmeserien automatisch durchführen,
ein Himmelsobjekt anfahren und im Bild zentrieren,
den gewünschten Bildausschnitt planen,
beim Einnorden der Montierung helfen,
die Nachführung und das Dithering einbinden,
den Fokus kontrollieren und nachstellen,
Filter wechseln
und die gesamte Aufnahmenacht in einer Sequenz organisieren.
Wer zunächst nur mit einer Kamera, einem Objektiv und einer einfachen Nachführung fotografiert, benötigt längst nicht alle Möglichkeiten.
Bei einer Montierung mit GoTo-Steuerung kann N.I.N.A. zusätzlich ein ausgewähltes Himmelsobjekt anfahren. Mithilfe des sogenannten Plate Solvings analysiert die Software eine Testaufnahme und erkennt, welchen Himmelsausschnitt die Kamera tatsächlich erfasst. Weicht die Position vom geplanten Bildausschnitt ab, bewegt N.I.N.A. die Montierung schrittweise nach und wiederholt die Kontrolle, bis sich das Ziel an der gewünschten Stelle befindet.
Mit wachsender Ausrüstung können weitere Komponenten hinzukommen: eine Guidingkamera, ein motorisierter Fokus, ein Filterrad oder andere Geräte. N.I.N.A. führt sie in einer gemeinsamen Oberfläche zusammen. Man muss deshalb nicht jede Komponente einzeln bedienen und während der Nacht immer wieder kontrollieren.
Die Software nimmt einem jedoch nicht sofort alle Entscheidungen ab. Kamera, Montierung und gegebenenfalls weitere Geräte müssen zunächst eingerichtet und miteinander verbunden werden. Gerade für Einsteiger können diese ersten Schritte kompliziert wirken.
Hier setzt meine neue YouTube-Serie „N.I.N.A. für Einsteiger: Endlich stressfrei die ganze Nacht automatisieren“ an. Darin entwickeln wir einen vollständigen Arbeitsablauf – von der Einrichtung der Ausrüstung bis zur weitgehend automatisierten Aufnahmenacht. Als roter Faden begleitet uns dabei der Orionnebel M42.
Die Serie soll kein vollständiges Nachschlagewerk für sämtliche Menüs und Funktionen werden. Stattdessen beschäftigen wir uns in jeder Folge nur mit den Einstellungen, die wir für den jeweils nächsten Schritt tatsächlich benötigen.
Für welche Ausrüstung eignet sich N.I.N.A.?
N.I.N.A. wird häufig mit großen Teleskopen und umfangreichen Astro-Setups in Verbindung gebracht. Der Einstieg ist aber auch mit deutlich weniger Ausrüstung möglich. Welche Aufgaben die Software übernehmen kann, hängt davon ab, welche Geräte vorhanden sind und ob sie sich mit dem Computer verbinden lassen.
Kamera und Objektiv
Schon mit einer kompatiblen Spiegelreflex- oder Systemkamera und einem Objektiv kann N.I.N.A. die Kamera steuern und automatische Aufnahmeserien durchführen. Belichtungszeit, Anzahl der Aufnahmen und Pausen lassen sich vorab festlegen. Die Fotos werden direkt auf dem Computer gespeichert und können während der Aufnahme kontrolliert werden.
Kamera, Objektiv und einfache Nachführung
Auch mit einem Reisetracker ohne GoTo-Steuerung kann N.I.N.A. sinnvoll sein. Die Software übernimmt dann beispielsweise die Kamerasteuerung und die Aufnahmeserie. Den Tracker selbst kann sie jedoch nicht auf ein Himmelsobjekt ausrichten, wenn keine steuerbare Verbindung zum Computer besteht. Das Objekt muss deshalb weiterhin von Hand eingestellt werden.
Kamera oder Teleskop auf einer GoTo-Montierung
Mit einer steuerbaren GoTo-Montierung stehen bereits deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung. N.I.N.A. kann ein ausgewähltes Objekt anfahren, die tatsächliche Position der Kamera mithilfe von Plate Solving überprüfen und die Montierung bei Bedarf nachführen. Dabei spielt es grundsätzlich keine Rolle, ob auf der Montierung ein Teleskop oder eine Kamera mit Teleobjektiv befestigt ist.
Ein vollständiges Astrofotografie-Setup
Seine größten Möglichkeiten entfaltet N.I.N.A. in Verbindung mit einer steuerbaren Montierung, einer Kamera, einer Guidingkamera und einem motorisierten Fokus. Auch Filterräder, Rotatoren und weitere Komponenten können eingebunden werden. Im Sequencer lassen sich die einzelnen Arbeitsschritte anschließend zu einem weitgehend automatisierten Ablauf verbinden.
Automatische und smarte Teleskope
Smarte Teleskope verfolgen ein ähnliches Ziel, gehen aber einen anderen Weg. Kamera, Optik, Nachführung und Steuerung sind bereits in einem kompakten System vereint. Die Bedienung erfolgt normalerweise über die App des Herstellers. Diese Geräte werden daher in der Regel nicht mit N.I.N.A. verbunden.
Während ein Smart-Teleskop viele Entscheidungen und Einstellungen von Anfang an übernimmt, bietet ein klassisches, aus einzelnen Komponenten zusammengestelltes System mehr Möglichkeiten zur individuellen Anpassung. N.I.N.A. sorgt hier dafür, dass die verschiedenen Geräte zusammenarbeiten.
Für den Einstieg muss also nicht sofort ein vollständiges Astro-Rig vorhanden sein. Die Software kann mit der vorhandenen Ausrüstung wachsen. Vor der Installation sollte jedoch geprüft werden, ob die jeweilige Kamera, Montierung und weiteres Zubehör über passende Treiber verfügen und von N.I.N.A. unterstützt werden.

Was soll am Ende funktionieren?
Am Ende der Serie sollst du nicht einfach möglichst viele Menüs und Einstellungen von N.I.N.A. kennen oder vorgegebene Klicks nachmachen. Das Ziel ist ein verlässlicher Arbeitsablauf, den du selbstständig aufbauen und später an andere Aufnahmeprojekte anpassen kannst. Dabei sollst du auch verstehen, warum die einzelnen Schritte in einer bestimmten Reihenfolge erfolgen.
Wenn die Aufnahmen beginnen, sollst du nicht mehr jede Belichtung einzeln starten oder dieselben Einstellungen immer wieder neu vornehmen müssen. Stattdessen läuft ein vorbereiteter Ablauf möglichst zuverlässig im Hintergrund. So bleibt in einer klaren Nacht mehr Zeit für die eigentlichen Aufnahmen.
M42 als roter Faden
Damit die einzelnen Folgen nicht wie voneinander unabhängige Software-Tutorials wirken, begleitet uns ein gemeinsames Aufnahmeprojekt durch die gesamte Serie: der Orionnebel M42.
M42 gehört zu den hellsten und bekanntesten Nebeln am Nachthimmel und ist in den Wintermonaten auch für Einsteiger vergleichsweise gut zu finden. Gleichzeitig lässt er sich mit sehr unterschiedlicher Ausrüstung fotografieren. Mit einem Teleobjektiv kann die weitere Umgebung des Orionnebels einbezogen werden, während ein Teleskop einen engeren Blick auf die leuchtenden Gaswolken ermöglicht. Dadurch eignet sich das Motiv sowohl für kleinere Setups als auch für umfangreichere Teleskopanlagen.
Jede neu kennengelernte Funktion wenden wir direkt auf M42 an. So wird sichtbar, wie die einzelnen Funktionen zusammenspielen. Der erlernte Workflow lässt sich anschließend auf viele andere Deep-Sky-Objekte übertragen.

Was dich in der Serie erwartet
Die Serie beginnt bewusst mit den Grundlagen. In der ersten Folge lernst du N.I.N.A. kennen und installierst zunächst nur das Hauptprogramm. Danach richten wir ein eigenes Ausrüstungsprofil ein, verbinden die Kamera und bereiten den gewünschten Bildausschnitt für M42 vor.
In den weiteren Folgen kommen nach und nach zusätzliche Arbeitsschritte hinzu. Wir beschäftigen uns mit Plate Solving, dem präzisen Positionieren des Motivs und dem Einnorden der Montierung. Später folgen das Guiding mit PHD2, das Dithering und – bei entsprechender Ausrüstung – der automatische Fokus. Zum Abschluss führen wir die vorbereiteten Schritte im Sequencer zu einer vollständigen Aufnahmenacht zusammen.
Zusätzliche Programme wie ASTAP oder PHD2 werden erst dann eingeführt, wenn wir sie tatsächlich benötigen. Du musst deshalb nicht gleich zu Beginn mehrere Anwendungen installieren und gleichzeitig verstehen.
Eine neue Folge der N.I.N.A.-Serie erscheint etwa alle zwei Wochen. Dazwischen bleibt auf meinem YouTube-Kanal weiterhin Platz für Landschaftsfotografie, andere Astrofotografie-Themen und praktische Fragen rund um Aufnahme und Bildbearbeitung.
Du möchtest direkt einsteigen? Hier findest du die erste Folge der neuen N.I.N.A.-Serie: Astrofotos im Schlaf? So startest du mit N.I.N.A.



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