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Deep-Sky-Objekte finden ohne GoTo – ein systematischer Ansatz für die Praxis

Viele Einsteiger in die Deep-Sky-Fotografie beginnen mit einer Montierung, die keine GoTo-Funktion besitzt - oft aus Budgetgründen, manchmal auch, weil die Montierung bereits vorhanden ist. Gerade dann stellt sich die Frage, wie sich geeignete Objekte zuverlässig finden lassen. Dieser Artikel zeigt einen systematischen Workflow, wie sich Deep-Sky-Objekte auch ohne GoTo gezielt und reproduzierbar ansteuern lassen – fotografisch, praxisnah und mit realistischen Erwartungen.

Ohne GoTo bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, auf Technik zu verzichten: Mit einer nachgeführten Montierung ist die entscheidende Voraussetzung für Deep-Sky-Fotografie bereits erfüllt. Der Unterschied liegt darin, dass die Positionierung des Objekts nicht automatisiert erfolgt. Statt eines Knopfdrucks sind Vorbereitung, Orientierung und Kontrolle gefragt. Der folgende Ansatz setzt genau dort an und beschreibt, wie sich Deep-Sky-Objekte nicht visuell, sondern fotografisch auffinden lassen – auch dann, wenn sie mit bloßem Auge oder im Sucher nicht sichtbar sind.


Arbeiten ohne GoTo: Voraussetzungen und Konsequenzen


Arbeiten ohne GoTo bedeutet, dass die Nachführung zwar die Bewegung des Himmels ausgleicht, die Positionierung des Zielobjekts jedoch vollständig manuell erfolgt. Die Konsequenz ist eine Verschiebung des Aufwands: Weniger Automatisierung erfordert mehr Vorbereitung, Orientierung und Kontrolle während der Aufnahme. Genau diese Punkte entscheiden darüber, ob sich ein Objekt reproduzierbar ansteuern lässt oder ob Zeit und klare Nächte ungenutzt verstreichen.


Nachführung als technische Grundlage


Eine funktionierende Nachführung ist die zentrale Voraussetzung, um Deep-Sky-Objekte fotografieren zu können – unabhängig davon, ob eine GoTo-Funktion vorhanden ist oder nicht. Sie sorgt dafür, dass Sterne über längere Belichtungszeiten hinweg punktförmig abgebildet werden und bildet damit die Grundlage für jede weitere Planung. Ohne Nachführung ist das Auffinden eines Objekts zwar möglich, seine fotografische Erfassung jedoch stark eingeschränkt. Mit Nachführung hingegen verschiebt sich der Schwerpunkt von der Frage ob ein Objekt fotografierbar ist hin zu der Frage, wie es zuverlässig positioniert werden kann.


Planung vor der Nacht – Beispiel Andromeda-Galaxie (M31)


Die Planung beginnt idealerweise am Rechner, zum Beispiel mit Stellarium. Dieses Programm habe ich bereits in einem YouTube-Tutorial erklärt, falls du Bedarf hast.

Wählt man dort die Andromeda-Galaxie (M31) als Zielobjekt aus, lassen sich mehrere entscheidende Fragen bereits vor der Nacht klären: Wann steht das Objekt ausreichend hoch über dem Horizont? In welchem Sternfeld befindet es sich? Und von welchen markanten Sternen aus lässt sich die Position ableiten? Gerade ohne GoTo sind diese Informationen essenziell, da sie die spätere manuelle Annäherung bestimmen.

Die Abbildung aus Stellarium zeigt die Andromeda-Galaxie (M31) nicht isoliert, sondern im Kontext ihres Sternfelds. Entscheidend ist dabei weniger die Galaxie selbst als ihre Lage relativ zu markanten Sternen. M31 befindet sich in einem vergleichsweise sternarmen Bereich und ist visuell höchstens als diffuser Nebel erkennbar. Zur Orientierung dienen deshalb helle Sterne wie Mirach und Alpheratz. Die Position der Galaxie ergibt sich nicht aus einem einzelnen Referenzstern, sondern aus der relativen Lage innerhalb dieses Sternfelds – eine Information, die für das spätere manuelle Ansteuern ohne GoTo zentral ist.


Sternkarte aus Stellarium mit der Position der Andromeda-Galaxie (M31) relativ zu den Sternen Alpheratz, Mirach und Mu Andromedae.
Sternfeld der Andromeda-Galaxie (M31) in Stellarium. Die Darstellung zeigt die Lage der Galaxie relativ zu markanten Referenzsternen wie Mirach und Alpheratz. Entscheidend für die Planung ist nicht das Objekt selbst, sondern seine Position im umgebenden Sternfeld. [Quelle: Stellarium (Open-Source-Planetariumssoftware), Screenshot]

Von der Planung zur Umsetzung


In der praktischen Umsetzung helfen die Planungsinformationen aus Stellarium, die Kamera bereits vor den ersten Testaufnahmen grob auszurichten. Stellarium zeigt für jedes Objekt die aktuelle Himmelsrichtung (Azimut) sowie die Höhe über dem Horizont an. In Kombination mit dem Kompass und den Lagesensoren des Smartphones lässt sich daraus ableiten, in welche Richtung die Kamera zeigen muss. Wird das Smartphone über einen Adapter am Blitzschuh der Kamera befestigt und parallel zur optischen Achse ausgerichtet, kann die in Stellarium angezeigte Blickrichtung mit der realen Ausrichtung der Kamera abgeglichen werden. Aktiviert man den Sensor-Modus, zeigt die App den Himmelsausschnitt an, auf den das Smartphone – und damit näherungsweise auch die Kamera – ausgerichtet ist. Diese Methode dient der groben Orientierung, um schnell im richtigen Himmelsbereich zu arbeiten, insbesondere dann, wenn das Zielobjekt visuell nicht sichtbar ist.

Die Sensorauswertung des Smartphones ist dabei nicht auf Genauigkeit ausgelegt. Abweichungen von mehreren Grad sind normal, etwa durch magnetische Störungen oder ungenaue Kalibrierung. Für die eigentliche Feinpositionierung sind weitere Schritte erforderlich.


Leuchtpunktsucher und Smartphone-Halterung für den Blitzschuh einer Kamera als Hilfsmittel zur groben Ausrichtung bei Astrofotografie ohne GoTo.
Hilfsmittel zur Orientierung ohne GoTo: Links ein Leuchtpunktsucher, rechts eine Smartphone-Halterung, beide für die Montage am Blitzschuh der Kamera. Beide Werkzeuge unterstützen die grobe Ausrichtung der Kamera.

Leuchtpunktsucher zur Feinorientierung


Eine weitere Möglichkeit zur Orientierung ist der Einsatz eines Leuchtpunktsuchers, der ebenfalls am Blitzschuh der Kamera befestigt wird. Im Gegensatz zum Smartphone dient er nicht der Planung oder der Anzeige von Sternfeldern, sondern der direkten Ausrichtung der Kamera auf einen bestimmten Himmelsbereich. Der Leuchtpunkt wird dabei auf den Himmel projiziert und zeigt an, wohin die optische Achse der Kamera gerichtet ist.

Im Workflow ohne GoTo kann der Leuchtpunktsucher als nächster Schritt nach der groben Ausrichtung genutzt werden. Während Smartphone und Stellarium helfen, die richtige Himmelsrichtung zu finden, ermöglicht der Leuchtpunktsucher eine intuitive Feinjustierung, etwa entlang der zuvor geplanten Referenzsterne. Gerade bei größeren Bildfeldern lässt sich so schneller überprüfen, ob die Kamera in die richtige Region zeigt, bevor mit Testaufnahmen gearbeitet wird.

Wichtig ist auch hier die Einordnung: Der Leuchtpunktsucher zeigt keine Objekte, sondern lediglich die Blickrichtung an. Er ersetzt weder Planung noch fotografische Kontrolle, ist jedoch von großem Vorteil, um den Suchbereich weiter einzugrenzen und unnötige Fehlversuche zu vermeiden.


Testaufnahmen als Kontrollinstrument


Testaufnahmen sind im Workflow ohne GoTo der entscheidende Schritt, um die bisherige Ausrichtung zu überprüfen. Dabei geht es nicht um Bildqualität oder Belichtung, sondern ausschließlich darum, das aktuelle Sternfeld sichtbar zu machen. Kurze Belichtungszeiten mit hoher ISO genügen, um Sterne abzubilden, die visuell nicht erkennbar sind. Anhand dieser Testbilder lässt sich beurteilen, ob die Kamera tatsächlich auf die geplante Zielregion gerichtet ist oder ob eine Korrektur notwendig ist.


Interpretation der Testaufnahmen


Bei der Interpretation von Testaufnahmen geht es nicht darum, das Zielobjekt sofort zu erkennen. Entscheidend ist vielmehr, das abgebildete Sternfeld mit der Planung abzugleichen. Auf dem Testbild sollten die markanten Sterne sichtbar sein, die zuvor in der Planung als Referenzpunkte identifiziert wurden. Stimmen deren relative Anordnung, Abstände und Orientierung überein, befindet sich die Kamera im richtigen Himmelsbereich – auch dann, wenn das eigentliche Deep-Sky-Objekt noch nicht oder nur angedeutet sichtbar ist. Weicht das Sternfeld hingegen deutlich von der erwarteten Struktur ab, ist eine Korrektur der Ausrichtung erforderlich, bevor weitere Belichtungen sinnvoll sind.


Schematische Darstellung eines Workflows ohne GoTo mit den Schritten Planung mit App, Ausrichtung mit Smartphone, Feinorientierung mit Leuchtpunktsucher und abschließenden Testaufnahmen.
Workflow zum Auffinden von Deep-Sky-Objekten ohne GoTo: von der Planung mit einer App über die grobe Ausrichtung mit Smartphone und App, die Feinorientierung mit einem Leuchtpunktsucher bis zur Kontrolle über Testaufnahmen.

Übergang zur eigentlichen Aufnahme


Sobald das Testbild bestätigt, dass sich die Kamera im richtigen Sternfeld befindet, ist der eigentliche Zweck des Workflows erreicht: Das Deep-Sky-Objekt ist gefunden. Ab diesem Punkt ändert sich die Arbeitsweise. Die kurzen Testbelichtungen dienen nicht mehr der Orientierung, sondern können durch die geplanten Belichtungszeiten und Serien ersetzt werden. Die anschließende Aufnahme unterscheidet sich nicht mehr von einer Deep-Sky-Aufnahme mit GoTo – der entscheidende Unterschied lag ausschließlich im Weg dorthin.




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