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Deep-Sky-Objekte einordnen: Himmelsobjekte verständlich erklärt

Wer mit der Deep-Sky-Fotografie beginnt, stößt sehr schnell auf eine Vielzahl an Begriffen: Emissionsnebel, Reflexionsnebel, planetarische Nebel, Sternhaufen oder Galaxien. Was zunächst nach Ordnung klingt, sorgt in der Praxis oft für Verwirrung – denn nicht jede Objektklasse stellt die gleichen Anforderungen an Ausrüstung, Belichtungszeit oder Standort.


In diesem Artikel bekommst du eine klare Einordnung der wichtigsten Deep-Sky-Objektklassen aus fotografischer Sicht. Ziel ist es, die Begriffe verständlich voneinander abzugrenzen und zu zeigen, warum viele typische Einsteigerobjekte immer wieder in denselben Kategorien auftauchen. Der Fokus liegt dabei bewusst auf Orientierung statt Vollständigkeit – als Grundlage für eine realistische und frustfreie Objektwahl in der Deep-Sky-Fotografie.


1.   Welche Arten von Deep-Sky-Objekten gibt es?


Beginnen wir mit den übergeordneten Klassen.

·       Galaxien sind Ansammlungen von Sternen und anderen Himmelsobjekten. Auch unsere Erde gehört zu einer Galaxie, nämlich der Milchstraße.

·       Sternhaufen sind Gebiete innerhalb von Galaxien mit einer stark erhöhten Dichte von Sternen.

·       Nebel bestehen aus interstellarem Gas und Staub und nehmen in der Deep-Sky-Fotografie eine zentrale Rolle ein.


In den folgenden Abschnitten gehen wir in die Details.


  1. Galaxien


Galaxien unterscheiden sich in der Deep-Sky-Fotografie deutlich von anderen Objektklassen. Sie zeigen meist großflächige, vergleichsweise gleichmäßige Helligkeitsverteilungen und unterschiedliche Strukturen.


Galaxien für den Einstieg


Für den Einstieg eignen sich Galaxien, die entweder eine hohe Gesamthelligkeit oder einen großen scheinbaren Durchmesser besitzen. Sie lassen sich gut am Himmel finden und auch bei ersten Versuchen zuverlässig abbilden.

 

Typische Beispiele sind:

  • Andromedagalaxie (M31)

  • Dreiecksgalaxie (M33)


Galaxien mit ersten Erfahrungen


Mit etwas Erfahrung lassen sich auch kompaktere Galaxien sinnvoll fotografieren. Sie erscheinen deutlich kleiner am Himmel und erfordern eine genauere Planung. In einigen Himmelsregionen bietet sich die Gelegenheit, mehrere Galaxien in einem Bildfeld abzulichten. Oft zeigen sie charakteristische Strukturen.

 

Beispiele für diese Kategorie sind:

·       Bodes Galaxie (M 81) und Zigarren-Galaxie (M 82)

·       Das Leo Triplett M 65, M 66 und NGC 3628

·       Die Feuerrad-Galaxie M 101


Astrofotografie der Galaxien M 81 und M 82
Beispielaufnahme zur Einordnung von Galaxien, die etwas Erfahrung voraussetzen: Bodes Galaxie (M 81) und Zigarren-Galaxie (M 82) im Sternbild Großer Bär. Nikon D5600a an Teleskop TS121SDQ

Einordnung der Galaxien


Bei den Galaxien lässt sich aus deren Form ableiten zu welcher Unterklasse sie gehören. Alle hier aufgeführten Beispiele gehören zu den Spiralgalaxien.

 

Spiralgalaxien besitzen eine flache Scheibe mit Spiralarmen, die sich um ein Zentrum winden. Eine Spiralgalaxie mit einem „Balken“, einem Band von hellen Sternen, der vom Zentrum ausgeht, wird Balkengalaxie genannt. Ein Beispiel dafür ist M 65 im Leo-Triplett.


  1. Nebel


Nebel gehören zu den prägendsten Objekten der Deep-Sky-Fotografie. Sie zeigen häufig großflächige Strukturen und heben sich deutlich vom Sternhintergrund ab. Viele der klassischen Einsteigerobjekte zählen zu dieser Objektklasse.


Nebel für den direkten Einstieg


Für den Einstieg eignen sich Nebel, die eine hohe Flächenhelligkeit besitzen und eine ausreichend große Ausdehnung am Himmel haben. Sie lassen sich gut auffinden und zeigen bereits bei ersten Versuchen klare Strukturen.

 

Typische Beispiele sind:

  • der Orionnebel (M42)

  • der Nordamerikanebel (NGC 7000)

  • der Lagunen- und Trifidnebel (M8 und M20)


Nebel mit ersten Erfahrungen


Anschlussobjekte sind Nebel, die entweder eine geringere Flächenhelligkeit besitzen oder aus feineren Staub- und Gasstrukturen bestehen, wie der Herz-Nebel (IC 1805). Letzterer wird häufig auch zusammen mit dem Seelen-Nebel (Sharpless 2-199) abgelichtet.


Astrofoto des Herznebels
Beispielaufnahme zur Einordnung von Nebeln, die etwas Erfahrung voraussetzen: Herz-Nebel im Sternbild Kassiopeia. Nikon D5600a an Teleskop TS121SDQ

Einordnung der Nebel


Je nach physikalischer Entstehung und Erscheinungsbild unterscheidet man mehrere Untertypen von Nebeln.


Emissionsnebel

 

Emissionsnebel sind Wolken interstellaren Gases, die Licht in verschiedenen Farben emittieren. Häufig handelt es sich um Wasserstoff-Gebiete, welche rotes Licht emittieren. Zu dieser Klasse gehören der Orion-Nebel, der Herz-Nebel und der Nordamerika-Nebel.

 

Trifid- und Lagunennebel sind Strukturen aus Reflexions- und Emissionsnebeln.

 

Reflexionsnebel

 

Im Gegensatz zu den Emissionsnebeln leuchten Reflexionsnebel nicht selbst, sondern streuen Sternenlicht an kleinen Nebelpartikeln. Sie erscheinen auf Fotos häufig blau.

 

Neben den Emissions- und Reflexionsnebeln gibt es noch die planetarischen Nebel, Supernova-Überreste und Dunkelnebel. Die Fotografie dieser Unterklassen setzt mehr Erfahrung voraus, weshalb ich hier nicht näher auf sie eingehe.


  1. Sternhaufen


In der Deep-Sky-Fotografie unterscheiden sich Sternhaufen deutlich von Nebeln und Galaxien, da sie vor allem aus punktförmigen Lichtquellen bestehen und meist keine großflächigen Gas- oder Staubstrukturen zeigen.


Sternhaufen für den direkten Einstieg


Für den Einstieg eignen sich Sternhaufen, die eine hohe Gesamthelligkeit besitzen und sich klar vom umgebenden Sternfeld abheben. Sie lassen sich gut auffinden und zeigen bereits bei kurzen Belichtungen eine charakteristische Struktur.

 

Typische Beispiele sind:

  • die Plejaden (M45)

  • der Doppelsternhaufen h Persei (NGC 869) und Chi Persei (NGC 884)


Sternhaufen mit ersten Erfahrungen


Mit etwas Erfahrung lassen sich auch kompaktere Sternhaufen sinnvoll fotografieren. Sie erscheinen dichter und konzentrierter, wodurch sich ihre Struktur erst bei höherer Bildauflösung klar erschließt. Die Bildbearbeitung ist anspruchsvoller als bei den oben genannten Objekten.

 

Beispiele für diese Kategorie sind:

  • der Herkuleshaufen M 13

  • Messier 5


Astrofoto des Herkuleshaufens M 13
Beispielaufnahme zur Einordnung von Sternhaufen, die etwas Erfahrung voraussetzen: Herkuleshaufen M 13 im Sternbild Herkules. Nikon D850a an Teleskop TS121SDQ

Einordnung der Sternhaufen


Man unterscheidet grundsätzlich zwei Typen von Sternhaufen:

 

  • Offene Sternhaufen, die meist locker aufgebaut sind und jüngere Sterne enthalten. Zu dieser Unterkategorie gehören die vorgeschlagenen Starter-Objekte.

  • Kugelsternhaufen, die sehr kompakt sind und aus alten Sternpopulationen bestehen, wie der Herkuleshaufen M 13 und Messier 5.


  1. Ausblick


Die Einordnung von Deep-Sky-Objekten in Galaxien, Nebel und Sternhaufen hilft, typische Eigenschaften dieser Objektklassen besser zu verstehen. Für die praktische Objektwahl für Fotografen und Fotografinnen ist sie jedoch nur ein erster Orientierungsschritt. Entscheidend bleibt, ob ein konkretes Objekt in Größe und Helligkeit grundsätzlich zur eigenen Ausrüstung passt.

 

Wie diese Einordnung in der Praxis aussieht und welche Objekte sich für den Einstieg mit klassischer Kameraausrüstung oder mit smarten Teleskopen eignen, zeige ich ab dem 06.02.2026 im begleitenden YouTube-Video zur Deep-Sky-Objektwahl. Dort steht die konkrete Entscheidungshilfe im Vordergrund – basierend auf Bildfeld, Lichtstärke und realistischen Erwartungen.


Wenn du die hier beschriebenen Grundlagen nicht nur lesen, sondern praktisch anwenden möchtest, biete ich am 17. April 2026 einen Fotokurs „Einstieg in die Deep-Sky-Fotografie“ an.

Der Kurs richtet sich an Fotografen und Fotografinnen, die erste Erfahrungen mit der Deep-Sky-Fotografie sammeln möchten und ihre Objektwahl, Planung und Umsetzung systematisch aufbauen wollen.







 
 
 

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