top of page

Mondfinsternis am 28. August 2026 fotografieren: Fast total, aber tief am Horizont

Nur 16 Tage nach der totalen Sonnenfinsternis folgt das nächste besondere Himmelsereignis: Am frühen Morgen des 28. August 2026 wird der Vollmond fast vollständig vom Kernschatten der Erde bedeckt. Obwohl es sich astronomisch um eine partielle Mondfinsternis handelt, bleibt zum Höhepunkt nur ein schmaler Teil des Mondes unverdunkelt.

Für die Fotografie ist diese Mondfinsternis allerdings anspruchsvoll. Während der Erdschatten immer weiter über die Mondoberfläche zieht, sinkt der Mond zugleich tief über den westlichen Horizont. Gleichzeitig beginnt bereits die Morgendämmerung. Wer nur auf den Zeitpunkt der stärksten Verfinsterung achtet, könnte deshalb zu spät kommen: Ein freier Blick nach Westen und ein sorgfältig ausgewählter Standort sind mindestens ebenso wichtig wie Kameraeinstellungen und Brennweite.

Gerade diese schwierigen Bedingungen eröffnen jedoch besondere Bildmöglichkeiten. Statt den verfinsterten Mond ausschließlich als Nahaufnahme zu zeigen, lässt er sich mit einer Landschaft, einem Bergkamm oder einem markanten Bauwerk verbinden. In diesem Beitrag geht es darum, wann die Mondfinsternis sichtbar ist, wie du einen geeigneten Standort findest und welche Aufnahmestrategie sich für den tief stehenden Mond eignet.

Mondfinsternis im September 2025: Auch bei der partiellen Mondfinsternis am 28. August 2026 kann der überwiegend verfinsterte Mond rötlich erscheinen. Farbe und Helligkeit hängen jedoch von den Bedingungen in der Erdatmosphäre ab.
Mondfinsternis im September 2025: Auch bei der partiellen Mondfinsternis am 28. August 2026 kann der überwiegend verfinsterte Mond rötlich erscheinen. Farbe und Helligkeit hängen jedoch von den Bedingungen in der Erdatmosphäre ab.

Wann ist die Mondfinsternis sichtbar?


Die Mondfinsternis findet in Deutschland, Österreich und der Schweiz am frühen Morgen des 28. August 2026 statt. Um 3:23 Uhr MESZ tritt der Mond zunächst in den Halbschatten der Erde ein – eine Veränderung, die mit bloßem Auge kaum auffällt. Deutlich sichtbar wird die Finsternis ab 4:33 Uhr, wenn sich der Kernschatten über die Mondoberfläche schiebt. Die maximale Verfinsterung wird um 6:12 Uhr erreicht.

Zu diesem Zeitpunkt steht der Mond allerdings bereits sehr tief über dem west-südwestlichen Horizont. In Zürich befindet er sich beim Maximum noch etwa 4,5 Grad, in Frankfurt am Main rund 3,5 Grad und in Salzburg nur noch etwa 1,6 Grad über dem Horizont. In Wien geht der Mond bereits kurz vor dem tatsächlichen Maximum unter.

Für die Beobachtung und Fotografie ist deshalb ein möglichst freier Blick nach Westen bis Westsüdwesten entscheidend. Schon eine entfernte Baumreihe, ein Gebäude oder ein Höhenzug kann den Mond deutlich vor dem rechnerischen Monduntergang verdecken. Besonders in den Mittelgebirgen und in den Alpen solltest du daher nicht nur die Himmelsrichtung, sondern auch das Gelände am Horizont prüfen. Ein hoch gelegener Standort ist nicht automatisch geeignet, wenn sich westlich davon ein weiterer Bergrücken befindet.

Fotografisch lohnt es sich deshalb, nicht ausschließlich auf das Maximum zu warten. Bereits ab Beginn der partiellen Phase steht der Mond noch etwas höher, während sich der Erdschatten zunehmend über seine Oberfläche schiebt. So steigen die Chancen, die Finsternis trotz Dunst, Bewölkung oder eines nicht vollständig freien Horizonts festzuhalten.


Nahaufnahme oder Mondlandschaft?


Für die Mondfinsternis am 28. August 2026 bieten sich zwei grundsätzlich unterschiedliche Bildideen an: eine formatfüllende Nahaufnahme des Mondes oder seine Einbindung in eine Landschaft.


Der Mond als Hauptmotiv


Mit einer langen Brennweite lassen sich die Schattengrenze, die rötliche Färbung und die Strukturen der Mondoberfläche gut sichtbar machen. Besonders interessant ist eine Bildserie, die zeigt, wie sich der Kernschatten nach und nach über den Mond schiebt.

Da der Mond im Verlauf der Finsternis deutlich dunkler wird, musst du die Belichtung regelmäßig anpassen. Bei langen Brennweiten sollte die Belichtungszeit zugleich kurz genug bleiben, um Bewegungsunschärfe zu vermeiden. Auch Fokussierung und Stabilität müssen sorgfältig kontrolliert werden.

Wenn du mehrere Phasen der Finsternis später zu einer Sequenz zusammensetzen möchtest, solltest du Brennweite, Bildausschnitt und Ausrichtung möglichst konstant halten. Da der Mond durch das Bildfeld wandert, musst du die Kamera dennoch regelmäßig nachführen oder neu ausrichten.


Der Mond in der Landschaft


Der tiefe Stand über dem Westhorizont bietet zugleich die Möglichkeit, den verfinsterten Mond mit einer Landschaft zu verbinden. Geeignet sind beispielsweise ein entfernter Bergkamm, ein einzelner Baum, ein Aussichtsturm oder ein markantes Gebäude.

Eine extreme Weitwinkelaufnahme ist dafür meist weniger geeignet, denn der Mond würde im Bild sehr klein erscheinen. Besser eignen sich mittlere bis längere Brennweiten. Sie verdichten die räumliche Wirkung und lassen den Mond im Verhältnis zur Landschaft größer erscheinen.

Entscheidend ist, dass das Landschaftsmotiv weit genug entfernt liegt und sich möglichst genau in der berechneten Mondrichtung befindet. Schon eine geringe Abweichung kann dazu führen, dass der Mond nicht wie geplant hinter einem Gebäude, einem Berg oder einer Baumgruppe erscheint.

Für diese Mondfinsternis halte ich die Mondlandschaft für die spannendere Variante. Die geringe Höhe des Mondes ist zwar eine Herausforderung, eröffnet aber Bildmöglichkeiten, die bei einer hoch am Himmel stehenden Mondfinsternis kaum entstehen.


Die Belichtung während der Mondfinsternis


Eine feste Belichtungseinstellung für die gesamte Mondfinsternis gibt es nicht. Zu Beginn der partiellen Phase ist ein großer Teil des Mondes noch direkt von der Sonne beleuchtet. Mit zunehmender Verfinsterung wird die Mondoberfläche jedoch deutlich dunkler und kann im Kernschatten rötlich erscheinen. Gleichzeitig hellt sich am 28. August bereits der Morgenhimmel auf.

Am zuverlässigsten arbeitest du deshalb im manuellen Modus und im RAW-Format. Kontrolliere regelmäßig das Histogramm und die hellsten Bereiche des Mondes. Solange noch ein direkt beleuchteter Teil sichtbar ist, sollte dieser nicht ausbrennen – dort gehen sonst die Strukturen der Mondoberfläche verloren.

Die Blende würde ich während einer Bildserie möglichst nicht verändern. Dadurch bleiben Schärfeleistung und Abbildung konstant. Passe zunächst die Belichtungszeit an und erhöhe anschließend bei Bedarf die ISO-Zahl.


Sinnvolle Ausgangswerte


Die folgenden Werte sind nur als Ausgangspunkt zu verstehen. Die tatsächliche Belichtung hängt unter anderem von Brennweite, Mondhöhe, atmosphärischem Dunst und dem Fortschritt der Finsternis ab.

Situation

Möglicher Ausgangspunkt

Beginn der partiellen Phase

ISO 100–400, Blende 5,6–8, etwa 1/125 bis 1/500 Sekunde

Weit fortgeschrittene Finsternis

ISO 400–1600, Blende 5,6–8, etwa 1/15 bis 1/125 Sekunde

Dunkler Bereich im Kernschatten

höhere ISO-Zahl oder längere Belichtungszeit erforderlich

Bei langen Brennweiten solltest du die Belichtungszeit nicht unnötig verlängern. Der Mond bewegt sich kontinuierlich durch das Bildfeld und kann ohne Nachführung bereits bei relativ kurzen Belichtungen unscharf werden.

Kontrolliere deshalb die ersten Aufnahmen in starker Vergrößerung. Werden die Strukturen der Mondoberfläche weich oder leicht verzogen dargestellt, solltest du die Belichtungszeit verkürzen und dafür lieber die ISO-Zahl erhöhen.


Große Helligkeitsunterschiede und Exposure Blending


Bei dieser partiellen Mondfinsternis bleibt selbst zum Maximum ein schmaler Bereich des Mondes außerhalb des Kernschattens. Zwischen diesem direkt beleuchteten Rand und dem dunklen, möglicherweise rötlich gefärbten Teil kann ein sehr großer Helligkeitsunterschied entstehen.

Belichtest du auf den hellen Rand, erscheint der Mond im Kernschatten unter Umständen fast schwarz. Belichtest du dagegen auf die rötlichen Strukturen, kann der noch direkt beleuchtete Bereich ausbrennen. Reicht der Dynamikumfang einer einzelnen RAW-Aufnahme nicht aus, bietet sich deshalb eine automatische Belichtungsreihe als Grundlage für ein Exposure Blending an.

Dafür kannst du beispielsweise drei Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten per Bracketing unmittelbar hintereinander aufnehmen. Blende, ISO-Wert und Fokus bleiben dabei unverändert. Die schnelle Serienaufnahme ist wichtig, weil sich der Mond bei langer Brennweite schon innerhalb kurzer Zeit sichtbar durch das Bild bewegt.

Vor dem Zusammenführen müssen die Aufnahmen exakt ausgerichtet werden. Dafür kann beispielsweise PIPP verwendet werden. Das Programm erkennt die Mondscheibe und zentriert sie in den einzelnen Bildern. Anschließend solltest du die Deckung der Oberflächenstrukturen bei starker Vergrößerung kontrollieren und bei Bedarf fein korrigieren.

Beim Exposure Blending werden nur die jeweils passend belichteten Bereiche mithilfe von Masken übernommen. Ziel ist nicht, den gesamten Mond gleichmäßig hell erscheinen zu lassen. Der natürliche Unterschied zwischen dem hellen Rand und dem rötlich-dunklen Kernschatten sollte weiterhin erkennbar bleiben.


Mond und Landschaft getrennt belichten


Bei einer Mondlandschaft kommt ein weiterer Helligkeitsunterschied hinzu: Der verfinsterte Mond und der Vordergrund benötigen häufig unterschiedliche Belichtungen. Besonders vor Beginn der bürgerlichen Dämmerung kann die Landschaft noch fast schwarz sein, während der nicht verfinsterte Teil des Mondes vergleichsweise hell bleibt.

In diesem Fall kannst du zunächst eine Aufnahme für den Mond und anschließend eine längere Aufnahme für die Landschaft erstellen. Kamera, Brennweite und Bildausschnitt sollten dabei möglichst unverändert bleiben.

Die Aufnahme für den Mond muss kurz genug belichtet werden, damit seine Strukturen scharf bleiben und der helle Rand nicht ausbrennt. Für die Landschaft kann dagegen eine deutlich längere Belichtungszeit erforderlich sein. Bei bewegten Motiven wie Bäumen, Wasser oder Wolken kann das spätere Zusammenfügen allerdings schwieriger werden.

Durch die fortschreitende Morgendämmerung wird der Helligkeitsunterschied zwischen Himmel und Landschaft allmählich kleiner. Gleichzeitig nimmt jedoch der Kontrast des dunklen Mondes zum heller werdenden Himmel ab. Du musst daher abwägen, ob dir ein gut sichtbarer verfinsterter Mond oder mehr Zeichnung in der Landschaft wichtiger ist.

Die Einstellungen, die zu Beginn der partiellen Phase funktionieren, werden kurz vor Monduntergang kaum noch dieselben sein. Kontrolliere deshalb während der gesamten Finsternis regelmäßig Belichtung, Schärfe und Histogramm.


Fazit


Die Mondfinsternis am 28. August 2026 ist fotografisch anspruchsvoller, als die starke Verfinsterung zunächst vermuten lässt. Der tiefe Stand des Mondes, die beginnende Morgendämmerung und der große Helligkeitsunterschied innerhalb der Mondscheibe verlangen eine sorgfältige Planung.

Wer früh beginnt, einen freien Westhorizont auswählt und die Belichtung fortlaufend anpasst, hat jedoch mehrere interessante Möglichkeiten: von der formatfüllenden Nahaufnahme über eine Bildserie bis zur Mondlandschaft mit einem markanten Vordergrund.

Gerade weil das Maximum nur knapp über dem Horizont stattfindet, kann aus der vermeintlichen Einschränkung die besondere Stärke dieser Mondfinsternis werden.

 
 
 

Kommentare


bottom of page